Meine (Schreib)Ziele im Februar

Der Januar war ziemlich aufregend für mich. Mein zweiter Roman ist erschienen, es gab eine tolle Leserunde auf Lovelybooks und viele tolle Rückmeldungen haben mir fast täglich ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.

Außerdem habe ich auf Instagram an der Januarchallenge #autorenwahnsinn teilgenommen, die von den wundervollen Mädels des Schreibwahnsinns organisiert wurde. Über diese Aktion habe ich viele inspirierende Accounts kennengelernt und Einblicke in die aktuellen Projekte anderer deutscher Autoren bekommen. Viele dieser Autoren waren traurig, als die Challenge am 31.01. ihren Abschluss fand. Umso schöner ist es, dass die Mädels vom Schreibwahnsinn sich eine Fortsetzung in abgespeckter Form überlegt haben: Jeden Freitag wird es eine Frage geben, die im Laufe einer Woche beantwortet werden soll.

Auch ich freue mich über die Weiterführung der Challenge und möchte euch hiermit gerne verraten, welche Ziele ich mir im Februar gesetzt habe:

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Nachdem ich ab Mitte Januar lese- und schreibtechnisch in ein kleines Motivationstief gefallen bin, habe ich erkannt, dass ich etwas ändern muss.

Mein aktuelles Projekt „Memorize“, ein düsterer Fantasy-Krimi, passt nicht zu meiner momentanen Stimmung und nach über 100 geschriebenen Seiten habe ich mich dazu entschieden, das Manuskript erstmal auf Eis zu legen.
Ich bin nach wie vor von der Idee der Geschichte und ihrer Protagonisten überzeugt und weiß, dass seine Zeit kommen wird – nur nicht gerade jetzt. Im Februar möchte ich meine Gedanken zum Mittelteil und Ende der Geschichte in Stichpunkten zusammenfassen, damit ich zu einem späteren Zeitpunkt daran weiterarbeiten kann. Denn etwas unvollendet zu lassen ist nicht meine Art und es wäre auch sehr schade um die Energie und Arbeit, die bis jetzt in das Projekt geflossen ist. Aber in den letzten Wochen habe ich gelernt, dass jede Geschichte ihre Zeit hat – und momentan passt Memorize mit seiner düsteren und gewalttätigen Grundstimmung nicht zu mir und meinem Leben.

Stattdessen möchte ich mich nun an die Überarbeitung meines allerersten Manuskriptes setzen, das ich vor nunmehr 2 Jahren begonnen habe: New Arc, eine jugendliche Geschichte, die in einer zerstörten Zukunftswelt spielt. Im Mittelpunkt steht die erste große Liebe und eine wichtige Rolle spielen die Hoffnung und der Mut, über sich selbst hinauszuwachsen. Diese Dystopie ist mein absolutes Herzensprojekt und umso überzeugter bin ich deshalb, dass es ein schönes Zuhause bei einem tollen Verlag verdient hat. Viele Leserinnen haben mich in meinen Plänen bestärkt und mir versichert, wie gerne sie Dystopien lesen.

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In dieser Geschichte steckt all mein Herzblut und deshalb möchte ich nun die Funktionen meines Schreibprogrammes Papyrus voll ausschöpfen, um alle Anfängerfehler zu eliminieren, die mir vor 2 Jahren noch unterlaufen sind. Mit dem fertigen Manuskript möchte ich mich in diesem Jahr gerne bei Verlagen bewerben, die mir in den letzten Monaten und Jahren positiv aufgefallen sind und zu denen die Geschichte gut passen würde. Mein größter Traum ist es, New Arc eines Tages als gedrucktes Buch in Händen halten zu können.

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Dieses tolle Cover hat die wunderbare Sarah Buhr, Betreiberin der Covermanufaktur, 2015 für mein Buchbaby gezaubert und ich bin nach wie vor schockverliebt. Nur die Schriftarten sollten noch einmal abgeändert werden, ansonsten passt es perfekt zu meiner Geschichte.
Für die Veröffentlichung schließe ich diesmal auch Self Publishing nicht aus. Doch zuerst möchte ich versuchen, einen Verlag für mein Projekt zu begeistern.

Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden, wie es mit New Arc weitergehen wird.

Neuigkeiten: Leserunde und Buchverlosung auf Lovelybooks

Endlich ist es soweit: Am 13.01.2017 ist mein zweiter Roman erschienen und was soll ich sagen? Ich bin unfassbar glücklich über das erste Leserfeedback. So viele liebe Nachrichten haben mich in den letzten Tagen erreicht. Einige Bloggerinnen haben meine Geschichte bereits vorab gelesen und darüber freue ich mich sehr 🙂

Für den Start von „Mika & Liz“ habe ich mir ein paar tolle Dinge überlegt:
Zum einen findet momentan auf meiner Facebook-Seite ein großes Gewinnspiel statt, bei dem mehrere Fanpakete gewonnen werden können. Zum Beispiel dieses hier:

gewinnspiel

Außerdem plane ich eine Leserunde auf Lovelybooks. Im Moment läuft die Bewerbungsphase, der Startschuss fällt am 21.01.2017. Weil mir schon die erste Leserunde zu „Ben & Judy“ so viel Spaß gemacht hat, freue ich mich schon riesig auf den Austausch zum zweiten Buch. Wenn ihr mitmachen wollte, bewerbt euch bitte hier.

Zusätzlich verlose ich 5 E-Books zu „Ben & Judy“ für alle, die die (sich abgeschlossene) Vorgeschichte kennenlernen möchten. Die Verlosung findet ebenfalls auf Lovelybooks statt und endet am 21.01.2017. Bitte hier entlang.

lovelybooks

 

Exklusiv: Das erste Kapitel aus MIKA & LIZ

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe, ihr seid gut in das neue Jahr gerutscht.
Für die nächsten 365 Tage habe ich mir einiges vorgenommen. Ich will mein aktuelles Projekt beenden, ein altes Manuskript noch einmal komplett überarbeiten und für beide einen Verlag suchen 🙂

Außerdem nehme ich im Januar an der Instagram-Challenge #Autorenwahnsinn teil, bei der ich in den nächsten 30 Tagen ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern und hoffentlich ganz viele inspirierende Accounts kennenlernen werde. Ich würde mich freuen, wenn ihr auf meinem Account vorbeischaut.

cover
Zuerst einmal startet das neue Jahr aber mit der Veröffentlichung von MIKA & LIZ. Verlier dein Herz, der ich schon ganz gespannt entgegenfiebere. In 12 Tagen ist es soweit, aber weil 12 Tage eben trotzdem unendlich lang sein können, möchte ich euch an dieser Stelle exklusiv einen ersten Eindruck in mein neues E-Book geben:

Kapitel 1

Der heutige Tag ist der wichtigste in meiner Karriere. Nur noch wenige Augenblicke trennen mich von dem Moment, in dem sich die Arbeit der letzten Jahre endlich für mich rentieren wird. Nach außen hin gebe ich mich abgeklärt, doch mein Herz schlägt mir bis zum Hals, während ich die Dankesrede im Kopf noch einmal durchgehe.
Als sich die Aufzugtüren hinter mir schließen, lasse ich meinen Blick über die verspiegelte Wand schweifen. Ich streiche mein teures Designerkostüm glatt und atme tief durch. Gleich ist es so weit. In wenigen Minuten werde ich endlich die Anerkennung erhalten, die ich verdiene. Die harte Arbeit wird sich endlich bezahlt machen und mir den Posten einbringen, der mir zusteht. Mein Business-Lächeln breitet sich auf meinen Lippen aus, als sich die Türen in der achten Etage mit einem leisen Pling! öffnen. Mit hoch erhobenem Kopf und durchgedrücktem Rücken steuere ich auf den verglasten Konferenzraum am Ende des Ganges zu. Einige Mitarbeiter wenden die Köpfe nach mir. Als ich die Hand auf die Klinke der Tür lege, scheint mein Herz einen Schlag auszusetzen, nur um gleich darauf mit doppelter Geschwindigkeit gegen meine Rippen zu hämmern. Doch ich lasse mir nichts anmerken. Ich streiche meine langen blonden Haare hinter die Ohren und intensiviere mein Lächeln, auch wenn ich weiß, dass es meine Augen nicht erreicht.
Der ovale Konferenztisch in der Mitte des Raumes ist zur Hälfte besetzt. Alles, was Rang und Namen hat, ist heute hier versammelt: die Vorstandsvorsitzenden, der Aufsichtsrat, die Abteilungsleiter der Thienemann Media AG – und natürlich meine Mitbewerber. Nur mein Vater fehlt noch. Die Anwesenden nicken mir knapp zu. Mein Lächeln wird unmerklich breiter, als ich die Unsicherheit auf den Gesichtern der Männer wahrnehme. Ich umrunde den Tisch und beobachte meine männlichen Mitbewerber unauffällig. Außer mir ist nur eine weitere Frau anwesend. Die meisten drehen die Köpfe weg, als ich hinter ihnen entlang zu meinem Platz gehe. Doch Tobias Lindemann, der etwas linkisch wirkende Leiter unserer Marketing-Agentur, springt auf und will mir einen Stuhl herausziehen, als ich ihn mit einer knappen Handbewegung stoppe. So weit kommt’s noch. Unsicher lässt er sich auf seinen Platz zurücksinken und sieht mir dabei zu, wie ich meinen Stuhl selbst hervorziehe. Zufrieden nehme ich aus dem Augenwinkel wahr, dass sich erneut einige Köpfe nach mir umdrehen, als ich mein Konzept hervorhole und übertrieben langsam vor mir ablege. Acht Monate Arbeit stecken in diesen sechzig Seiten. Acht Monate, die ich damit verbracht habe, die vielbeachteten Studien der führenden europäischen Medienunternehmen auszuwerten und sie auf unser Haus anzuwenden. Ein detaillierter Finanzplan und unzählige innovative Ideen schlummern unter dem unscheinbaren Plastik und warten darauf, von mir umgesetzt zu werden. Dieses Konzept ist mit Abstand die beste Arbeit, die ich je geleistet habe. Weder die Bachelor- noch die Masterthesis meines Medienmanagement-Studiums haben mir so viel abverlangt wie der Inhalt dieser Mappe. Ich halte nichts Geringeres als die Zukunft unseres Unternehmens in meinen Händen.
Während meine Fingerspitzen über die Ränder fahren, nehme ich das Scharren der Füße unter dem Konferenztisch wahr, als sich die Tür ein weiteres Mal öffnet und mein Vater eintritt. Wie immer bewegt er sich mit raumgreifenden, schweren Schritten, während er seine dunkelgrünen Augen über die Anwesenden schweifen lässt. Augenblicklich wird es totenstill im Raum. Im nächsten Moment ist vereinzelt ein »Guten Morgen!« zu hören, das mein Vater nur mit einem kurzen Kopfnicken quittiert. Er fährt sich mit den Fingerspitzen durch das dichte graue Haar und den akkurat gestutzten Vollbart, bevor er einen scheinbar gelangweilten Blick aus der breiten Fensterfront wirft. Einige Sekunden lang verharrt er in dieser Position und scheint die Schönheit der Stadt zu unseren Füßen zu bewundern.
Einer meiner Mitbewerber räuspert sich und steht schon halb auf seinen Füßen, als mein Vater seine Aufmerksamkeit wieder dem Konferenztisch zuwendet. Ein scharfer Blick aus seinen wachen Augen genügt, um den jungen Mann drei Plätze weiter zum Schweigen zu bringen. Er setzt sich wieder.
Vater nimmt an der Stirnseite Platz und streicht die Krawatte glatt, die auf seinem leichten Bauchansatz aufliegt. Er sieht jeden Einzelnen am Tisch kurz an, bevor er sich räuspert. Sofort leuchtet der Bildschirm am Laptop des Protokollführers auf, und der junge Mann nimmt seine Schreibstellung ein.
»Meine sehr verehrten Kollegen, liebe Anwesende und Vorstandsmitglieder, ich freue mich, Sie heute, an diesem wichtigen Tag, im Thienemann-Media-Tower begrüßen zu dürfen.« Vaters volltönende, tiefe Stimme erfüllt jeden Winkel des Raumes. Auf die anderen mag sie vielleicht einschüchternd wirken, aber nicht auf mich.
»In Zusammenarbeit mit dem Vorstand habe ich Ihre Konzepte für die Zukunftsgestaltung des Unternehmens in den letzten Wochen intensiv studiert. Meine Erwartungen an Sie waren sehr hoch, und sie wurden nicht enttäuscht.« Ein kleines Lächeln huscht über sein Gesicht. »Die endgültige Entscheidung zu fällen, war schwerer als gedacht, aber am Ende hat das beste Konzept das Rennen gemacht.« Der Stuhl knarzt unter Vaters Gewicht, als er sich nach hinten lehnt und mit seiner linken Hand gedankenverloren über seine marineblaue Krawatte streicht. »Ich bin mir sicher, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Wie Sie wissen, fällt es mir nicht leicht, mich aus dem Unternehmen zurückzuziehen, aber es ist an der Zeit, mich neuen Projekten zu widmen, die meine volle Aufmerksamkeit erfordern.«
Verhaltenes Nicken erfüllt den Raum. Ich setze mich kerzengerade auf und straffe die Schultern. Gleich wird er verkünden, dass die Thienemann Media AG ein Familienunternehmen ist und auch bleiben wird.
»Es wird Zeit, Platz zu machen für eine jüngere Generation, die dieses Haus in eine gesicherte Zukunft führen wird. Ich werde weiterhin an den wichtigsten Entscheidungen beteiligt sein, aber die aktiven Geschäfte in die Hände der neuen Junior-Geschäftsführung legen.«
Leises, aufgeregtes Flüstern brandet auf. Ich kann förmlich spüren, wie der Testosterongehalt in der Luft ansteigt.
Als mein Vater sich erhebt, begleiten ihn dreißig nervöse Augenpaare. Die Finger des Protokollführers schweben erwartungsvoll über seiner Tastatur.
Mit einem leichten Nicken gibt mein Vater Herrn Robertsen, dem Vorstandsvorsitzenden, zu verstehen, zu ihm zu treten. Mein Blick haftet fest auf diesen beiden Männern, die gleich über die Zukunft des Unternehmens und ihrer einhundertfünfzig Mitarbeiter entscheiden werden. Meine Fingerknöchel verfärben sich weiß, so fest kralle ich sie um die Lehne meines Stuhles. Dass es aufregend sein würde, hatte ich erwartet, aber dass Vater es so spannend machen muss, ist fast zu viel für mich. Ich versuche, flach zu atmen und mein heftig schlagendes Herz unter Kontrolle zu bringen. Es kann nichts passieren, Liz, spreche ich mir gedanklich Mut zu. Vater hat mehr als einmal betont, wie ausgesprochen gut ihm mein Konzept gefällt. Trotzdem wollte er natürlich auch den anderen eine Chance geben, um sich zu beweisen. Dass wir am Ende acht Bewerber um den Posten des neuen Junior-Geschäftsführers waren, habe ich Papas Vorliebe für Wettbewerbe zu verdanken. Mein Vater liebt es, seine Mitarbeiter zu Höchstleistungen anzustacheln, und wie ginge das besser als durch eine kleine Competition? Und doch wird dieser Wettstreit nichts weiter sein als der nächste Meilenstein in meiner Karriere.
»Ich gratuliere dem neuen Junior-Geschäftsführer der Thienemann Media AG …«
Meiner Tochter Elisabeth Thienemann erklingt seine Stimme schon in meinen Ohren, und ich will gerade lächelnd aufstehen, als mich die nächsten Worte hart auf dem Boden der Realität aufprallen lassen: »Tobias Lindemann!«
Lindemann? Augenblicklich verkrampfe ich mich auf meinem Stuhl. Ich muss mich verhört haben. Das kann nicht sein. Das ist unmöglich!
Mein Lächeln fällt in sich zusammen. Völlig schockiert heften sich meine Augen auf den Mann zu meiner Rechten, der sich umständlich aus seinem Stuhl erhebt und hart schluckt. Er kann es genauso wenig glauben wie ich. Das muss ein Irrtum sein, eine Verwechslung … doch das ist es nicht. Mit wackeligen Schritten geht Lindemann nach vorn, lässt sich von Robertsen die Hand schütteln und von meinem Vater in eine halbherzige Umarmung ziehen.
Ein Blitz leuchtet auf, eine Frau mit einem Blumenstrauß erscheint und überreicht ihn dem völlig perplexen Mann. Mit seiner Rechten schüttelt er sekundenlang die Hand meines Vaters, der stolz in die Kamera grinst. Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich aufgestanden bin, als plötzlich meine Beine unter mir einzuknicken drohen. Mit einer fahrigen Handbewegung greife ich nach meinem Konzept und stopfe es in meine Tasche, bevor ich durch den Seiteneingang auf den Gang hinausflüchte.
Nur eine gefühlte Sekunde später finde ich mich in einer Toilettenkabine wieder. Meine Tasche fällt zu Boden, und ich sinke auf die Knie. Eine stahlharte Faust schließt sich um mein rasendes Herz. Mein Kostüm schnürt mir die Luft ab. Die erste Träne rinnt über meine Wange.
Minutenlang kauere ich auf dem kühlen Fliesenboden und versuche zu verstehen, was gerade passiert ist, doch meine Gedanken scheinen sich verknotet zu haben.

Als der erste Schock nachlässt, gewinnt die Wut in mir die Oberhand. Mit einem zornigen Blick in den Spiegel beseitige ich die Spuren meiner verschmierten Mascara und lege neue auf, dann marschiere ich an mehreren verwirrt dreinblickenden Mitarbeitern vorbei zum Fahrstuhl und fahre hinauf in den zehnten Stock. Oben angekommen laufe ich ohne ein Wort der Erklärung an Frau Michaelis, der Sekretärin meines Vaters, vorbei, deren Empfangstheke den gesamten Vorraum zu seinem Büro einnimmt.
»Elisabeth, kann ich Ihnen helfen?«
Als ich nicht antworte und stattdessen einfach die Tür hinter ihr aufdrücke, kommt sie zu mir und legt ihre Hand vorsichtig auf meinen zitternden Arm. »Ihr Vater ist bei der Konferenz.«
»Ich weiß«, zische ich und schüttle ihre Hand ab.
Sie zuckt so schnell zurück, als hätte sie sich an mir verbrannt. »Aber … Sie können nicht einfach in sein Büro …« Halbherzig unternimmt sie einen neuen Versuch, mir den Weg zu verstellen.
»Ich bin seine Tochter!«, keife ich und schiebe sie einfach zur Seite.
Sie lässt die Arme sinken und macht mir kopfschüttelnd Platz.
Ich rausche an ihr vorbei ins Büro. Wie immer überkommt mich dabei das Gefühl, als würde ich einen heiligen Raum betreten. Hoch über den Dächern der Stadt, an der Spitze des Towers, thront mein Vater auf über achtzig Quadratmetern hinter seinem Schreibtisch, der so breit ist, dass ich mich jedes Mal frage, wie sie ihn wohl vor vielen Jahren hier reinbekommen haben. Ich atme tief durch, ignoriere den überwältigenden Ausblick und gehe gezielt auf den Schreibtisch zu. Wie zu erwarten war, liegen fein säuberlich aufgereiht alle eingereichten Konzepte vor mir – Lindemanns ganz oben, meines direkt darunter. Ich schnaube und ergreife die oberste Mappe mit spitzen Fingern, dann lasse ich mich auf Vaters High-End-Bürostuhl sinken. Welch bittere Ironie, dass ich nun hier sitze, auf diesem Platz, der eigentlich mir gebührt, und doch tue ich es aus den falschen Gründen.
»Es tut mir leid, Herr Thienemann. Sie wollte sich partout nicht –«
»Schon gut.« Mit schweren Schritten und verkniffenem Gesichtsausdruck betritt mein Vater wenig später sein Büro.
Wahrscheinlich sollte ich jetzt schuldbewusst zusammenzucken, mich herausreden oder gar rechtfertigen, aber alles, was ich zustande bringe ist ein abfälliges »Das hier hat dich also überzeugt, ja?«.
Ich werfe ihm Lindemanns Konzept vor die Füße und stehe schwungvoll auf. Mein Vater überragt mich, trotz der hohen Schuhe, immer noch um einige Zentimeter, doch ich gebe mir alle Mühe, einschüchternd auszusehen.
»Elisabeth, setz dich!« Er deutet auf den Stuhl, der sich immer noch hinter mir dreht, doch ich reagiere nicht.
»Setz dich!«, wiederholt er mit durchdringender Stimme.
Ich gehorche widerwillig.
»Lindemann arbeitet seit fünfzehn Jahren für unser Unternehmen. Er hat Erfahrung und Durchsetzungsvermögen.«
»Das habe ich auch!«, falle ich ihm ins Wort.
»Du bist erst vierundzwanzig Jahre alt.« Vaters abschätziger Blick gleitet über mein Designer-Kostüm zu meinen manikürten Fingernägeln.
Ich muss mich zusammenreißen, um ruhig zu bleiben, aber das Zittern in meiner Stimme verrät mich. »Ich bin fast fünfundzwanzig. Ich habe den besten Abschluss meines Jahrgangs und ein Jahr Volontariat hinter mir. Ich kenne dieses Unternehmen so gut wie niemand sonst – abgesehen von dir.«
»Lindemanns Konzept hat mich überzeugt«, sagt er schlicht.
»Aber das besteht doch nur aus Einsparungen und Outsourcing! Das kann doch unmöglich in deinem Sinne sein«, widerspreche ich und könnte mich selbst dafür ohrfeigen, wie piepsig meine Stimme klingt.
»Der Medienmarkt ist ein hart umkämpftes Feld, Elisabeth. Wir können nicht so weitermachen wie bisher, wenn wir weiterhin schwarze Zahlen schreiben wollen. Sozial verträglicher Stellenabbau ist der einzig richtige Weg, wenn dieses Unternehmen auch noch in den nächsten fünfzig Jahren bestehen soll.« Vater stützt seine Hände auf der Tischplatte ab und beobachtet kühl meine Reaktion.
Natürlich weiß ich das, ich kenne schließlich unsere Zahlen. Ich weiß, dass gerade im Bereich Printmedien nicht mehr viel zu holen ist. Genau deswegen will ich ja andere Wege gehen, Neues wagen, verstärkt auf Onlinekampagnen und den Ausbau unserer Marketing- und Werbeagentur setzen. Mein Konzept fasst all das zusammen. Unter dem Dach dieses Hauses wird an etlichen vielversprechenden Projekten gearbeitet, und ich würde es nicht übers Herz bringen, auch nur auf eines davon zu verzichten. Nicht mal unseren städtischen Kurierdienstleister City Mail könnte ich auflösen, geschweige denn die zwanzig betroffenen Mitarbeiter entlassen, so wie Lindemann es in seinem Papier langfristig vorsieht.
»Die Thienemann Media AG ist ein Familienunternehmen«, flüstere ich.
Vater seufzt, dann streicht er über seinen Bart und lässt den Blick aus dem Fenster schweifen. »Das war es mal. Dein Großvater hat mit einer einfachen Zeitung angefangen, und ich habe das Unternehmen groß gemacht. Aber die Zeiten haben sich verändert, Elisabeth, und wir müssen uns dem fügen.«
»Aber … mein Konzept …« Mir fehlen die Worte. Er muss doch verstehen, dass meine Strategie besser und zukunftsweisender ist als ein reiner Sparplan.
»Dein Konzept war gut«, bestätigt Vater. »Deine Ideen haben mir wirklich gefallen. Ich werde sie Lindemann vorlegen.«
»Wie bitte?« Ungläubig schnappe ich nach Luft. »Du willst ihm meine Ideen einfach so überlassen? Ist dir klar, wie viel Arbeit in diesem Konzept steckt?« Ich schüttle fassungslos den Kopf. Das kann und will ich einfach nicht glauben.
Mein Vater umrundet seinen Schreibtisch. Er legt mir seine Hand auf die Schulter und sieht mich mitleidig an. »Kopf hoch, Elisabeth! Du findest ein anderes Unternehmen, in das du deine Kompetenzen und Ideen einbringen kannst. Es ist an der Zeit, dir neue Ziele zu stecken.«
Mir bleibt vor Verblüffung der Mund offen stehen. »Du … wirfst mich raus?«
»Ach, Kind.« Er seufzt noch einmal tief, und plötzlich wirkt mein Vater um Jahre gealtert. »Du kannst noch einmal studieren oder …« Er schaut an mir herab. »… einen Modeblog starten oder so was.«
Ich springe so schnell auf, dass mir schwindelig wird. »Einen Modeblog? Das ist dein Rat für mich?« Meine Stimme bebt vor Wut. Dass mein Vater so unsensibel sein könnte, hätte ich nie für möglich gehalten.
Doch ihn lässt meine Reaktion völlig kalt. »Beruhige dich! War ein Scherz.« Ein verschmitztes Grinsen huscht über sein Gesicht.
Stirnrunzelnd starre ich ihn an. Mir war nie weniger nach Lachen zumute.
»Raúl kommt heute wieder, oder?«, wechselt er auf einmal das Thema.
Als ich an meinen Freund denke, klingt meine Wut etwas ab, und mein Herz zieht sich in aufgeregter Vorfreude zusammen. Ich nicke.
Wir haben uns seit zwei Wochen nicht gesehen, und ich kann es kaum erwarten, ihn wieder bei mir zu haben.
»Na siehst du. Heute Abend sieht die Welt schon wieder ganz anders aus, und morgen setzt du dich an deinen Schreibtisch und suchst dir eine neue Stelle. Ich sorge dafür, dass du die besten Empfehlungen erhältst.«
Mit diesen Worten zieht er seinen Drehstuhl heran, lässt sich darauf nieder und erweckt den Bildschirm seines PCs zum Leben. Als sein Fuß gegen meine Tasche stößt, hebt er sie vom Boden auf und reicht sie mir, ohne den Blick zu heben. Ich nehme sie wortlos entgegen und verstehe seine Geste als genau das, was sie sein soll – einen Rauswurf. Und obwohl die Wut in mir wieder zu brodeln beginnt, bin ich nicht so dumm, jetzt Widerworte von mir zu geben. Stattdessen beiße ich auf meine Unterlippe und versuche all die Flüche hinunterzuschlucken, die mir auf der Zunge liegen. Ganz egal, was ich jetzt sage, es würde ja doch nichts ändern. Wenn Vater sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, dann bleibt er auch dabei, selbst wenn es der Rausschmiss seiner einzigen Tochter ist. Selbst wenn er damit alles zerstört, wofür ich mein Leben lang gearbeitet habe.
Auf dem Weg an Frau Michaelis vorbei, versuche ich den Kopf oben zu halten, doch als sich die Fahrstuhltüren hinter mir schließen, sacken meine Schultern nach unten, und ein erstickter Schrei befreit sich aus meiner Kehle.
Wie konnte dieser Tag nur so schieflaufen?

Am 13. Januar 2017 erscheint „Mika & Liz“!

Mitte Januar erscheint mein neuer Roman „Mika & Liz. Verlier dein Herz“:

cover
Inhalt:

Liz Thienemann ist jung, hübsch und ihr Freund ist ein gefragtes Model. Außerdem ist sie klug und nach jahrelanger Arbeit will sie nun endlich den Lohn einfahren: Die Beförderung durch ihren Vater zur Juniorgeschäftsführerin. Doch ein anderer bekommt die Stelle und von da an scheint Liz‘ Leben auseinanderzufallen. Da trifft sie aus heiterem Himmel auf den unbeschwerten Weltenbummler Mika. Liz steigt in seinen VW-Bus ein und begibt sich auf die Reise ihres Lebens. Und am Ende begreift sie, dass man manchmal sein Herz verlieren muss, damit ein anderer es findet und sicher verwahrt…

Ca. 400 Seiten
3,99 €
E-Book only